#2 Behindernde Vorurteile
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Vorurteile über Menschen mit
Behinderung – einfach erklärt
Was viele Menschen falsch denken –
und wie es wirklich ist
Viele Menschen glauben Dinge über
Menschen mit Behinderung, die nicht stimmen. Diese falschen Gedanken nennt man Vorurteile.
Sie machen das Leben schwerer. Hier erklären wir die wichtigsten Vorurteile –
und wie es wirklich ist.
Vorurteil: Menschen mit Behinderung
dürfen nichts selbst entscheiden
Das stimmt nicht. Jeder Mensch hat Menschenrechte.
Das heißt: Jeder darf selbst entscheiden.
Manche Menschen brauchen Hilfe beim
Entscheiden. Dann gibt es eine gesetzliche Betreuung. Das ist eine
Person, die hilft. Zum Beispiel bei Geld oder bei Briefen vom Amt.
Aber: Die betreute Person darf
trotzdem mitreden. Die Betreuung hilft nur – sie bestimmt nicht alles allein.
Vorurteil: Menschen mit Behinderung
haben besondere Rechte
Das ist teilweise richtig. Es gibt ein
wichtiges Gesetz von den Vereinten Nationen. Es heißt Behindertenrechts-Konvention.
Darin steht: Menschen mit Behinderung
sollen gleich behandelt werden. Sie sollen nicht schlechter, aber
auch nicht besser behandelt werden. Sie sollen die gleichen Chancen
haben wie alle anderen.
In Deutschland gibt es dafür ein
eigenes Gesetz: Das Bundesteilhabegesetz. Es hilft Menschen mit
Behinderung, gut leben zu können.
Vorurteil: Menschen mit Behinderung
wohnen alle in Heimen
Das stimmt nicht. Menschen mit
Behinderung wohnen ganz unterschiedlich:
- In einer eigenen
Wohnung
- Bei der Familie
- In einer Wohngruppe
mit anderen
- Mit Unterstützung von
Fachkräften
Das Wort „Heim“ ist alt und wird heute
kaum noch benutzt. Besser ist: Besondere Wohnform oder begleitetes
Wohnen.
Vorurteil: Menschen mit Behinderung
brauchen immer Hilfe
Nicht jeder Mensch mit Behinderung
braucht Hilfe. Manche brauchen viel Hilfe, andere wenig oder gar keine.
Es gibt zwei Arten von Hilfe:
- Pflege: Wenn
jemand Hilfe braucht, zum Beispiel beim Waschen oder Essen.
- Teilhabe: Wenn
jemand Hilfe braucht, um selbstständig zu leben und mitzumachen.
Ein Beispiel: Beim Einkaufen kann
jemand begleitet werden. In der Pflege geht es darum, dass die Person versorgt
ist. Bei Teilhabe geht es darum, dass die Person selbst einkaufen lernt.
Vorurteil: Jeder hat einen Pfleger
Das stimmt nicht. Hilfe kann von
vielen kommen:
- Von der Familie
- Von Fachkräften
- Von gesetzlichen
Betreuern
- Von Ämtern
Manche Menschen mit Behinderung sind
sogar selbst Arbeitgeber. Sie stellen ihre Helfer selbst ein und machen
Dienstpläne.
Vorurteil: Menschen mit Behinderung
sind gefährlich
Das ist falsch. Studien zeigen:
Menschen mit Behinderung sind oft selbst Opfer von Gewalt. Besonders in
Einrichtungen, wo viele Menschen zusammen leben.
Es ist wichtig, dass diese Menschen geschützt
werden.
Vorurteil: Menschen mit Behinderung
werden immer geduzt
Viele Menschen sagen einfach „Du“ zu
Menschen mit Behinderung. Das ist nicht immer okay.
Man sollte fragen, ob „Du“ oder
„Sie“ gewünscht ist. Jeder Mensch verdient Respekt – auch in der
Sprache.
Vorurteil: Menschen mit Behinderung
sind dumm
Das ist falsch. Manche Menschen
sprechen anders oder langsamer. Aber das heißt nicht, dass sie weniger klug
sind.
Ein Beispiel: Stephen Hawking war ein
berühmter Wissenschaftler. Er konnte nicht sprechen wie andere – aber er war
sehr klug.
Vorurteil: Menschen mit Behinderung
arbeiten alle in Werkstätten
Es gibt Werkstätten für Menschen mit
Behinderung. Aber nicht alle arbeiten dort.
Viele arbeiten:
- In normalen Firmen
- Mit Unterstützung
durch das Budget für Arbeit
- Mit Hilfe vom Integrationsfachdienst
Manche arbeiten auch außerhalb der
Werkstatt, zum Beispiel in einem Laden. Sie gehören zur Werkstatt, arbeiten
aber woanders.
Krankheitsbilder: Schizophrenie und
Autismus
Manche Begriffe werden falsch
verstanden:
- Schizophrenie
heißt nicht, dass man zwei Persönlichkeiten hat. Es ist eine Krankheit,
bei der man anders denkt und fühlt.
- Autismus heißt
nicht, dass man besonders begabt ist. Manche Menschen mit Autismus haben
besondere Fähigkeiten – viele aber nicht. Autismus ist sehr
unterschiedlich.
Fazit: Vorurteile sind wie
Hindernisse
Vorurteile machen das Leben schwer.
Sie sind wie Barrieren. Wenn wir mehr wissen, können wir besser
miteinander leben.
Jeder Mensch ist wertvoll. Jeder
Mensch verdient Respekt.
Version in Standard-Sprache
Vorurteile gegenüber
Menschen mit Behinderung – Zeit für einen Perspektivwechsel
Ein Beitrag über
Missverständnisse, rechtliche Grundlagen und den Wert von Teilhabe
In unserer Gesellschaft
kursieren zahlreiche Vorstellungen darüber, wie Menschen mit Behinderung leben,
denken und handeln. Viele davon sind schlichtweg falsch – und manche sogar
gefährlich. Dieser Artikel räumt mit gängigen Vorurteilen auf und zeigt, wie
wichtig es ist, Menschen mit Behinderung als gleichberechtigte Mitglieder
unserer Gesellschaft zu sehen.
„Menschen mit Behinderung
sind entmündigt“
Ein weit verbreitetes
Missverständnis ist die Annahme, dass Menschen mit Behinderung grundsätzlich
unter Vormundschaft stehen und keine eigenen Entscheidungen treffen dürfen.
Fakt ist: Jeder Mensch – ob mit oder ohne Behinderung – hat dieselben Menschenrechte.
In bestimmten Fällen kann
eine gesetzliche Betreuung eingerichtet werden, etwa wenn jemand
Unterstützung bei komplexen Angelegenheiten wie Behördenpost oder Finanzen
benötigt. Diese Betreuung ist jedoch keine Entmündigung, sondern eine Hilfestellung
im Sinne der betreuten Person. Nur in Ausnahmefällen – etwa bei einem
sogenannten Einwilligungsvorbehalt – müssen bestimmte Entscheidungen
vorab genehmigt werden. Aber auch hier gilt: Die Selbstbestimmung bleibt das
oberste Prinzip.
„Menschen mit Behinderung
haben Sonderrechte“
Hier lautet die Antwort: Jein.
Es gibt keine Sonderrechte im Sinne von „mehr als andere“, sondern konkretisierte
Menschenrechte, die durch die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK)
festgelegt wurden. Diese Konvention fordert unter anderem:
- Gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben
- Schutz vor Diskriminierung
- Selbstbestimmung und Autonomie
In Deutschland wurde die BRK
durch das Bundesteilhabegesetz umgesetzt, das seit 2017 in mehreren
Stufen eingeführt wurde. Es regelt Leistungen zur Teilhabe und ist im Sozialgesetzbuch
IX (SGB IX) verankert.
„Menschen mit Behinderung
wohnen alle in Heimen“
Das Bild vom Heim ist
veraltet. Heute spricht man von besonderen Wohnformen, die individuell
und vielfältig gestaltet sind: betreute WGs, das Leben bei den Eltern, eigene
Wohnungen mit ambulanten Hilfen – alles ist möglich. Wohnen ist so
individuell wie der Mensch selbst. Das Wort „Heim“ sollte daher aus dem
Wortschatz gestrichen werden.
„Menschen mit Behinderung
sind grundsätzlich hilfsbedürftig“
Hilfe ist nur dort notwendig,
wo ein Bedarf besteht. Nicht jede Beeinträchtigung bedeutet
Pflegebedürftigkeit. Und selbst wenn Unterstützung nötig ist, gibt es
Unterschiede:
- Pflege
(SGB XI) zielt auf Versorgung und Erhalt von Fähigkeiten.
- Teilhabe (SGB IX) fördert Selbstständigkeit und gesellschaftliche
Integration.
Ein Beispiel: Beim Einkaufen
geht es in der Pflege um Versorgung, in der Teilhabe um das Erlernen und
Erleben von Selbstständigkeit.
„Alle haben einen Pfleger“
Unterstützung kann von
Angehörigen, gesetzlichen Betreuern, Fachkräften der Teilhabe oder
Pflegediensten kommen. Es gibt sogar das Arbeitgebermodell, bei dem
Menschen mit Behinderung selbst ihre Assistenz organisieren – inklusive
Dienstplänen und Personalverantwortung.
„Menschen mit Behinderung
sind gefährlich“
Ein besonders schädliches
Vorurteil. Studien zeigen das Gegenteil: Menschen mit Behinderung sind häufig
selbst Opfer von Gewalt, insbesondere in Einrichtungen. Die Gesellschaft
muss hier nicht nur hinschauen, sondern aktiv schützen und aufklären.
„Duzen statt Respekt?“
Viele Menschen mit
Behinderung werden automatisch geduzt – oft ohne Einwilligung. Das kann
entwürdigend wirken. Respekt beginnt mit der Sprache: Siezen, Augenkontakt,
ernst nehmen – das sind keine Höflichkeitsfloskeln, sondern Zeichen von
Wertschätzung.
„Menschen mit Behinderung
sind dumm“
Intelligenz zeigt sich nicht
immer in Sprache. Eine beeinträchtigte Aussprache bedeutet nicht mangelndes
Denkvermögen. Der berühmte Physiker Stephen Hawking ist ein eindrucksvolles
Beispiel dafür, dass körperliche Einschränkungen nichts über geistige Fähigkeiten
aussagen.
„Alle arbeiten in
Werkstätten“
Werkstätten für behinderte
Menschen (WfbM) sind eine Möglichkeit – aber nicht die einzige. Viele Menschen
mit Behinderung arbeiten im ersten Arbeitsmarkt, manche mit
Unterstützung durch das Budget für Arbeit oder den Integrationsfachdienst.
Es gibt auch ausgelagerte Arbeitsplätze, bei denen Menschen in regulären
Betrieben tätig sind, aber zur Werkstatt gehören.
Krankheitsbilder:
Schizophrenie und Autismus
Zwei Begriffe, die oft falsch
verstanden werden:
- Schizophrenie ist keine „gespaltene Persönlichkeit“, sondern eine Störung der
Wahrnehmung und des Denkens.
- Autismus bedeutet nicht automatisch Hochbegabung. Inselbegabungen kommen vor,
sind aber selten. Autismus ist ein Spektrum – mit ganz unterschiedlichen
Ausprägungen.
Fazit: Vorurteile sind
Barrieren – Wissen ist Teilhabe
Vorurteile entstehen oft aus
Unwissenheit. Wer sich informiert, erkennt: Menschen mit Behinderung sind
genauso vielfältig, individuell und kompetent wie alle anderen. Es geht um Menschenwürde,
um Respekt, um Teilhabe. Und darum, sich selbst zu fragen:
Würde ich so behandelt werden
wollen?
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schreib mir direkt. Ich freue mich über Austausch, Ideen und Fragen.
Bis bald – und denk dran:
Nicht jeder Mensch ist behindert. Aber viele werden behindert. Und das können
wir ändern.
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